Der gütige Schäfer
Einst lebte jenseits der großen Wüste ein wohlhabender Schäfer. Weil er die Menschen liebte, ging er einmal im Jahr in die nächste Stadt und verteilte auf dem Marktplatz 12 Schafe an die Bedürftigen. Und so machte er sich auch in diesem Jahr auf den Weg, doch als er auf dem Marktplatz der Stadt anlangte, war da niemand. Er wartete bis Sonnenuntergang, das jemand käme, ihm ein Schaf zu schenken, aber niemand kam.
Als es Zeit war, in sein Dorf zurückzukehren, nahm er also die 12 Schafe und machte sich auf den Rückweg. Nun dachte er bei sich, auch wenn niemand da war, an den ich die Schafe verteilen kann, so sind es doch nicht mehr meine. Ich kann sie nicht zurücknehmen. Ich will sie auf der Weide auf halbem Weg zurücklassen. So brachte er die Schafe auf die Weide und ging in sein Dorf.
Was wohl mit den Schafen jetzt ist, dachte er abends am Feuer. Sie gehören zu niemanden und doch sind sie da. Für mich und die Bedürftigen gibt es sie nur im Geist. Und wenn sie jemand nimmt, so sind sie wieder eines Schäfers Schafe.
Die Zeit verging und da es so weit war, zog der Schäfer wieder mit 12 Schafen zur Stadt, um sie den Armen zu geben. Als er aber an der Weide vorüber kam, da waren seine Geistschafe alle noch da. Und so nahm er sie mit in die Stadt und verteilte sie zusammen mit den neuen Schafen an die Armen, die gekommen waren.
Zurück in seinem Dorf erzählte er die Geschichte den Alten am Feuer. Die sagten, Sohn, du hast Großes gefunden. Siehe, was man nicht teilen kann, ist selbst doch nicht verschwunden, es wartet nur - wie ein Geist - wieder wirklich zu sein und geteilt zu werden.
Die Geistzahl ꛡ (Ren)
So wie in der Geschichte des Schafhirten mag im alten Orient gedacht worden sein. Pragmatisch und bildhaft an der Realität orientiert und eingebettet in ein magisches Weltbild. Die Vorstellung eines Null- oder Nichts-Elements als Bindeglied zwischen Plus und Minus dürfte damals nicht ohne sozial-religiöse Sprengkraft gewesen sein. Heute scheint es manchmal, als wären reale, aber indifferente Metazustände von erheblicher sozial-rationalistischer Sprengkraft und daher gemieden.
Könnte nicht das Ergebnis der Division durch Null - genau wie die Null selbst - ein isolierter Metazustand sein, der aber ganz real die Lücke füllt:
12 : 0 = 12ꛡ
12 geteilt durch Null ergibt die Geistzahl 12ꛡ (Ren)*
* ꛡ ist ein Buchstabe des Bamun-Alphabets (Ren oder Rän). Ren im altägyptischen bezeichnet den 'echten Namen', unter dem ein Wesen nach dem Tod weiterlebt.
Einige Eigenschaften
n : 0 = nꛡ
|nꛡ| = 0
nꛡ : (x ≠ 0) = n : x
nꛡ : 0 = nꛡ
0 : nꛡ = 0
Ich bin nur ein dummer Schafhirte und kann das mathematisch nicht durchdenken, geschweige denn beweisen. Vielleicht ist es auch mathematisch gar nicht beweisbar. Aber es entspricht so mancher Realität. Wie die Null.
Fragen wir Papa Ohm
I = U : R
Stromstärke I in A(mpere) gleich Spannung U in V(olt) durch Widerstand R in Ω(hm),
Eine der Umformungen der Ohmschen Gleichung lautet
R = U : I
Tatsächlich steigt der Strom aus einer Spannungsquelle an, wenn der Widerstand sinkt. Technisch hat das Grenzen, aber eine gedachte ideale Stromquelle liefert beliebig viel Strom, je kleiner der Widerstand wird. Trotzdem kann auch eine theoretische Stromquelle nicht unendlich viel Strom liefern, das wäre nun mal mehr Strom, als es gibt in einer endlichen Welt. Würde der ideale Widerstand auf Null absinken, was ebenso unrealistisch ist, aber zumindest ideal denkbar, dann würde der Strom nicht unendlich, sondern die Spannung wäre 'weg'. Aber nur so lange, wie der gedachte Widerstand Null wäre.
Also
12 V : 0 Ω = 12ꛡ V und 12ꛡ V : 1 Ω = 12 A
Genau wie es ist.
Was bringt das Ganze?
Eigentlich ganz einfach, wie bei der Null bekommt das Kind einen Namen. Null ist das zwar je nach Betrachtung nicht existierende, aber reale Element zwischen Plus und Minus. Die Geistzahl ꛡ ist das ebenfalls betrachtungsabhängig nicht existierende, aber reale Ergebnis der Division durch Null. Damit können tatsächliche oder theoretische Zustände kontinuierlich beschrieben werden, statt am Punkt der Division durch Null zerrissen zu werden:
1 : x hätte nicht mehr den uneindeutigen Grenzwert +∞ und -∞, sondern den eindeutigen Grenzwert |ꛡ|